„Bitte bring‘ meine Gebete zu meinem Vater“

12. Oktober 2016 | Von Hua Xue

(Minghui.org) Als die Verfolgung von Falun Gong (auch Falun Dafa genannt) vor 17 Jahren begann, war ich neun Jahre. Mein Leben war seitdem mit Schrecken, Verzweiflung, schlaflosen Nächten und endloser Trauer erfüllt.

Mein Vater, der Falun Gong praktiziert, wurde vor Kurzem erneut verhaftet, weil er sich weigerte, seinen Glauben aufzugeben. Er wird im Gefängnis gefoltert, sein Zustand ist ernst.

Ich schaue aus dem Fenster und sehe den Regen in Strömen herniederprasseln, so wie mir die Tränen über die Wangen strömen. Ich will nicht, dass meine Mutter mich weinen sieht. Da sie selbst Falun Gong-Praktizierende ist, hat sie so viel gelitten. Die Festnahme meines Vaters hat sie in eine schreckliche Situation gebracht.

Früher waren wir einmal eine glückliche Familie

Ich bin Hua Xue, die Tochter von Hua Lianyou, der einst als Buchhalter für die CRT-Fabrik in Tianjin arbeitete. Er war warmherzig, positiv und freundlich. Er mochte Sport und verstand sich im Design kunstvoller Pullover.

hua-lianyou
Hua Lianyou

Ich war das Lieblingskind meiner Eltern. Mein Vater entwarf oft bezaubernde Pullover für mich und stellte sie her. Seit mein Vater im Ruhestand war, führten meine Eltern ein kleines Bekleidungsgeschäft. Ihr Geschäft ging recht gut, weil mein Vater so einzigartige Pullover entwarf.

An meinem sechsten Geburtstag kochten mir meine Eltern sechs große Garnelen. Ich erinnere mich, wie glücklich ich mich fühlte und dass ich dachte, wie wunderbar mein Leben war, als wir so zusammen aßen. Mein Vater nahm sich Zeit, mir das Ping-Pong-Spielen beizubringen und wir spielten oft in den Parks.

Eines Tages kam er nach Hause und konnte nicht mehr aufrecht stehen. Er hatte einen Bandscheibenvorfall. Keine Behandlung half ihm und mein Vater wurde bettlägerig. Meine Eltern mussten ihr Geschäft schließen. Wir waren finanziell belastet.

Zwei Monate, nachdem mein Vater bettlägerig geworden war, gab sein Cousin ihm das Buch Zhuan Falun (Li Hongzhi). Als er ein Drittel davon gelesen hatte, stand mein Vater aus dem Bett auf und brachte einen Wassereimer nach draußen. Meine Mutter und ich trauten unseren Augen nicht. Er sagte zu uns: „Beim Lesen kam ein Strom Wärme von meinem Kopf herunter und strömte bis zu meinen Zehenspitzen. Da wusste ich einfach, dass ich geheilt war.“

Ein paar Tage später erklärte er, dass er mit dem Rauchen aufhören würde. Zuvor hatte er mit dem Rauchen gleich nach dem Aufwachen am Morgen begonnen und zwei Päckchen Zigaretten am Tag geraucht. Wir konnten damals nichts tun, um ihn vom Rauchen abzubringen. Als meine Mutter nun die drastischen Veränderungen meines Vaters sah, begann auch sie das Zhuan Falun zu lesen. Das war der Tag, an dem meine Familie gerettet wurde und wir alle in der Familie von Falun Gong profitierten.

Dann eröffnete mein Vater wieder sein Geschäft.

Er wollte einfach nur ein guter Mensch sein

Mein Großvater kaufte sich ein Haus und brauchte dafür Geld. Trotz der Tatsache, dass sein Geschäft florierte, verkaufte mein Vater seinen Laden und gab das Geld meinem Großvater.

Danach begann mein Vater, auf einem Dreirad Gemüse zu verkaufen, verdiente jedoch kein Geld damit. Eines Tages begegnete er einer ehemaligen Mitarbeiterin. Er hatte ihr einmal das Leben gerettet, indem er sie ins Krankenhaus gebracht hatte, als sie bei der Arbeit ohnmächtig geworden war. Sie gab meinem Vater einen Tipp, wo er mehr Geld verdienen könne.

Daraufhin begann mein Vater morgens Milch und abends Zeitungen auszuliefern. Es war harte Arbeit, aber er verdiente gutes Geld damit. Der Besitzer der Zeitung betrachtete meinen Vater als seine rechte Hand und sagte, dass jemand wie er nur schwer zu finden sei.

Die Abonnenten mochten meinen Vater, weil er ihnen half, wenn sie ihn brauchten. Sie sagten zu ihm, dass sie nur seinetwegen die Zeitung abonnieren würden. Mein Vater brachte jedes Jahr so viele Abonnenten, dass der Eigentümer eine Auszeichnung für meinen Vater ausstellte.

Unsere Familie wurde auseinandergerissen

Als dann die Verfolgung von Falun Gong im Jahr 1999 begann, wurden Zehntausende Familien auseinandergerissen – auch meine Familie. Die Polizei brachte meine Eltern im Februar 2001 fort. Damals war ich 11 Jahre alt.

Als ich eines Tages von der Schule nach Hause kam, waren meine Eltern verschwunden. Als dann die Nacht hereinbrach, weinte ich so stark, dass die Nachbarn mich fanden und meinen Onkel herbeiriefen. Seit diesem Tag lebte ich in Verzweiflung und Angst. Jeder sah mich seltsam an. Ich konnte nicht verstehen, wie meine Eltern mich einfach hatten verlassen können. Ich konnte auch nicht fassen, wie die Welt so grausam sein konnte.

hua-xue
Hua Xue

Die Grundschule brachte ich mit hervorragenden Noten zu Ende. Der Rektor hatte Mitleid mit mir und ging mit mir meine Eltern in der Haftanstalt besuchen. Er kaufte mir an diesem Tag ein Mittagessen. Er sagte jemandem, der dort arbeitete, dass meine Eltern gute Leute seien und nicht dort [im Gefängnis] drin sein sollten. Die Person sagte zu ihm, dass die Festnahme auf Befehl „von oben“ erfolgt sei. Nach diesem Besuch durfte ich meine Eltern mehr als ein Jahr lang nicht sehen.

Meine Großmutter war damals um die 70 Jahre. Sie musste jeden Tag weit mit dem Fahrrad fahren, um sich um mich zu kümmern und wieder mit dem Fahrrad zurück, um sich um meinen Großvater zu kümmern. Sie musste auch Hilfe für meine Eltern besorgen. Sie wurde so oft an der Nase herumgeführt, dass sogar die Beamten Mitleid mit ihr hatten. Ich war nun nicht mehr das gehorsame Mädchen, das ich früher gewesen war, weil ich so unter Druck stand. Während dieser Zeit machte ich meiner Großmutter große Schwierigkeiten.

Mein Vater wurde zu fünf Jahren und meine Mutter zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Trotz dieser schrecklichen Situation schaffte ich es, in der Mittelstufe in eine Musterschule zu kommen.

Wegen der weitverbreiteten verleumderischen Propaganda gegen Falun Gong schikanierte ein Lehrer mich in der Schule oft und sagte zu den anderen Schülern, sie sollten keinen Kontakt mit mir aufnehmen. Er beschimpfte mich oft als „Verrückte“. Folglich wurde ich in der Schule manchmal unerhört wütend und fiel dann in Ohnmacht. Der Arzt meinte, dass ich psychisch zu sehr unter Druck stünde. In jenen Tagen war ich voller Hass und Wut.

Fünf Jahre vergingen und endlich war der Zeitpunkt für meinen Vater gekommen, nach Hause zu kommen. Nach der Schule lief ich so schnell wie ich konnte nach Hause, um ihn zu sehen. Bevor ich mich verschnaufen konnte, war ich entsetzt von dem Anblick. Mein Vater konnte wegen eines nervenschädigenden Medikamentes, das man ihm im Gefängnis gespritzt hatte, niemanden mehr erkennen. Er war stark abgemagert und hatte ein Loch im Kopf. Er musste sich gegen die Wand lehnen, um stehen zu können. Wenn jemand auf ihn zukam, versuchte er, sich zu verstecken. Das war nicht der Vater, den ich in Erinnerung hatte.

Ich war traumatisiert und innerlich wieder zerrissen.

Danach blieb mein Vater verängstigt und paranoid. Er wollte nichts essen und schlug seinen Kopf oft gegen die Wand. Er wachte mitten in der Nacht auf und fluchte, warf Dinge umher und versuchte, Urin und Schmutzwasser zu trinken. Viele Verwandte gaben uns einfach nur etwas Geld, als sie ihn so sahen, und hielten sich ansonsten von uns fern.

Meine Mutter gab ihren Arbeitsplatz auf. Sie las meinem Vater jeden Tag aus dem Zhuan Falun vor und machte mit ihm die fünf Übungen. Allmählich wurde er wieder gesund und psychisch wieder stabil.

Eines Tages war mein Vater mit dem Fahrrad unterwegs, als er von einem Auto angefahren wurde. Eines seiner Bein war gebrochen und er benötigte eigentlich eine größere Operation. Er sagte aber zu dem Fahrer: „Ich bin ein Falun Gong-Praktizierender. Bringen Sie mich einfach nur nach Hause und dann wird es schon gehen.“

Trotz der extremen Schmerzen schaffte er es, dem Fahrer etwas über Falun Gong zu erzählen und wie es verfolgt wird. Ohne Medikamente und ohne Behandlung war sein Bein dann innerhalb von zehn Tagen vollständig in Ordnung. Der Fahrer besuchte ihn und sagte: „Es ist ein Wunder! Ich werde Allen von Falun Gong erzählen.”

Mein Vater arbeitete dann in einem Textilgeschäft. Sein Chef vertraute ihm und überließ ihm den gesamten Bestand. Später sagte sein Chef zu jedem: „Ich will nur Falun Gong-Praktizierende hier einstellen.“

Ein paar Jahre später, im April 2012, verhaftete die Polizei meine Eltern erneut, weil sie sich der Verfolgung widersetzten. Zu der Zeit wusste ich bereits, dass meine Eltern mich nicht im Stich ließen, sondern dass es die Kommunistische Partei war, die uns auseinanderriss. Ich schämte mich nicht mehr, sondern war stolz auf meine Eltern und auf das, was sie taten.

Ich tat mein Bestes, um sie freizubekommen. Ich engagierte einen Anwalt und plädierte auf nicht schuldig für meinen Vater. Obwohl sie gegen kein Gesetz verstoßen hatten, wurde mein Vater zu sieben und meine Mutter zu einem Jahr Haft verurteilt. Die anderen Falun Gong-Praktizierenden beantragten die Freilassung für meinen Vater. Über 8.000 Bürger in Tianjin unterzeichneten die Petition. Die Behörden erklärten sich schließlich bereit, ihn auf Kaution zur ärztlichen Behandlung freizulassen, nachdem er 671 Tage in einem Hungerstreik gewesen war.

Mein Vater wog nur noch 35 Kilogramm, als er nach Hause kam. Er reagierte nicht auf unsere Stimmen. Meine Mutter und ich riefen immer wieder: „Falun Dafa ist gut!“ Nach einer Weile öffnete er langsam die Augen. Wieder konnten wir das Wunder von Falun Gong erleben.

Zwei Jahre später, im April 2016, als mein Vater gerade wieder gesund geworden war, verhaftete ihn die Polizei erneut. Seitdem ist er im Hungerstreik. Meine Mutter hat ihn im Mai besucht. Er war sehr dünn und konnte nicht einmal das Telefon halten. Er sagte meiner Mutter, dass er auf ein Bett gefesselt worden sei und sie ihm mit Gewalt Chiliwasser eingeflößt hätten. Im Juli wurde er ins Krankenhaus gebracht. Meine Mutter und ich besuchten ihn und er sah noch schlimmer aus. Sie zwangsernährten ihn immer noch routinemäßig. Als ich sah, wie elend mein Vater aussah, war ich so verletzt und wütend.

Für die Täter beten und für die standhaften Falun Gong-Praktizierenden

Ich schaute in das Gesicht meines Vaters. Er sah so friedlich aus. Plötzlich erinnerte ich mich daran, dass er mir oft gesagt hatte, ich solle meine gütige Natur bewahren. Meine Wut verschwand. Ich hasse die Polizisten nicht mehr. In Wirklichkeit tun sie mir leid. Sie wurden von der Kommunistischen Partei getäuscht und ausgenutzt, um ein abscheuliches Verbrechen zu begehen. Mein Vater jedoch bekundete mit seinem Leben seinen Glauben. Versteckt unter seinem ausgemergelten Körper ist sein so mächtiger Wille.

Was meine Familie ertragen musste, ist nur ein Tropfen im Meer. Viele andere Familien müssen noch Schlimmeres erleiden.

Der Regen hat aufgehört und der Morgen dämmert. Eine Elster zwitschert außerhalb des Fensters. Ich wische meine Tränen ab und sage zu der Elster: „Bitte bring‘ meine Gebete zu meinem Vater und zu all denjenigen, die infolge der Verfolgung leiden, weil sie an Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht glauben.“

Weitere Artikel zu dem Schicksal dieser Familie:

Im Gefängnis zwei Mal fast zu Tode gefoltert. Falun Gong-Praktizierender erstattet Anzeige gegen ehemaligen Parteichef Chinas
http://de.minghui.org/html/articles/2016/4/7/120355.html

Praktizierender 500 Tage im Hungerstreik – 8.000 Menschen unterschreiben eine Petition für seine Freilassung
http://de.minghui.org/html/articles/2013/12/8/76312.html

Lebensbedrohlich: Falun Gong-Praktizierender über 500 Tage im Hungerstreik
http://de.minghui.org/html/articles/2013/12/20/76433.html

Unterschriftenaktion: Mehrere Tausend Chinesen unterschreiben auf Petitionen zur Rettung eines Falun Gong Praktizierenden
http://de.minghui.org/html/articles/2013/9/14/75267.html

Herr Hua Lianyong und Frau Tian Zongli erneut festgenommen
http://de.minghui.org/html/articles/2012/5/25/69218.html

Hua Lianyous Hungerstreik aus Protest gegen seine unrechtmäßige Inhaftierung dauert bereits über 30 Tage an
http://de.minghui.org/html/articles/2012/7/17/69814.html

Herr Hua Lianyou aus Tianjin aus Protest gegen erneute Festnahme und Gefängnisstrafe in Hungerstreik
http://de.minghui.org/html/articles/2013/1/17/71815.html

Falun Gong-Praktizierender in zwölfmonatigem Hungerstreik
http://de.minghui.org/html/articles/2013/6/26/74409.html

Englische Version vorhanden
http://en.minghui.org/html/articles/2016/9/6/158570.html

Chinesische Version vorhanden
祈福,在寒夜将尽……

Rubrik: Augenzeugenberichte

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s